RigExpert Fobos SDR im Test: Licht und viel Schatten für fast 525 Euro
RigExpert ist in der Funkwelt eigentlich für seine hervorragenden und zuverlässigen Antennenanalysatoren bekannt. Mit dem Fobos SDR bringt das Unternehmen nun einen High-End-Sendeempfänger (SDR) auf den Markt, der mit beeindruckenden Spezifikationen lockt: Einem gigantischen Frequenzbereich von 100 kHz bis zu 6 GHz und einer Echtzeit-Bandbreite von bis zu 80 MHz.
Doch hält das Gerät, was der stolze Preis verspricht? Wir haben uns die Stärken, Schwächen und die gravierenden Probleme des Fobos SDR genauer angeschaut.
Das Versprechen: Die Hardware im Überblick
Optisch macht das Fobos SDR einiges her. Das Gehäuse besteht aus massivem, sauber gefrästem Aluminium mit edler Lasergravur. Anschlussseitig ist das Gerät üppig bestückt:
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Zwei HF-Eingänge (hf1 & hf2): Für den Bereich von 100 kHz bis 25 MHz (Direct Sampling).
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Ein VHF/UHF/SHF-Eingang (RF): Für Frequenzen von 25 MHz bis 6 GHz (Double Conversion Heterodyne).
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Zusatzanschlüsse: Ein 10-MHz-Eingang für externe Referenzuhren sowie ein 10-MHz-Taktausgang.
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USB 3.0 Anschluss: Notwendig, um die enormen Datenmengen der riesigen Bandbreite zu bewältigen.
Die gravierenden Probleme im Praxisbetrieb
Obwohl die Verarbeitung professionell wirkt, offenbaren sich im Betrieb – besonders an großen Außenantennen – erhebliche Schwächen, die in dieser Preisklasse eigentlich ein absolutes K.o.-Kriterium sind.
1. Massive Geistersignale (Spiegelfrequenzen)
Das größte Problem des Fobos SDR ist die mangelnde Großsignalfestigkeit. Im VHF-Bereich (z. B. im Flugfunkband) spiegeln sich starke UKW-Rundfunksender wider. Noch schlimmer sieht es auf Kurzwelle (HF) aus: Die Bänder (wie das 40m- oder 80m-Band) sind oft komplett mit Phantomsignalen und Rundfunksendern überlagert, die auf diesen Frequenzen überhaupt nicht existieren. Als Nutzer verliert man völlig das Vertrauen in die Anzeige: Ist das Signal echt oder nur ein "Geist"?
2. Keine Hardware-Regelung auf Kurzwelle
Der Grund für das Übersteuern auf HF: Die Software-Regler für LNA (Low Noise Amplifier) und VGA (Variable Gain Amplifier) zeigen auf Kurzwelle keinerlei Wirkung. Dem Gerät fehlen schlichtweg die internen Hardware-Dämpfungsglieder (Attenuator) oder Filter für diesen Bereich. Der Empfänger wird vom Antennensignal schlicht überfordert.
3. Unverständliche Frequenzlücke
Die HF-Ports schalten hart bei 25 MHz ab. Das bedeutet, dass das populäre 10-Meter-Amateurband komplett auf den HF-Eingängen fehlt. Wer das Gerät beispielsweise als Web-SDR mit einer einzigen Breitband-Kurzwellenantenne betreiben will, schaut hier in die Röhre.
Vorteile und Nachteile im Vergleich
| Vorteile | Nachteile |
| Enormer Frequenzbereich: Von 100 kHz durchgehend bis 6 GHz. | Extreme Spiegelfrequenzen: Starke Übersteuerungen und Phantomsignale auf HF und VHF. |
| Riesige Echtzeit-Bandbreite: Bis zu 80 MHz Bandbreite (z. B. mit SDR++). | Keine Gain-Kontrolle auf HF: Fehlende Hardware-Dämpfungsglieder führen zum Übersteuern. |
| Hervorragende Verarbeitung: Robustes, geschirmtes Aluminiumgehäuse. | Unpraktischer Frequenz-Cut: HF-Eingänge enden bei 25 MHz (kein 10m-Band). |
| Gute Performance im Mikrowellenbereich: Signale im GHz-Bereich (WLAN, Mobilfunk) werden sauber dargestellt. | Zusatzkosten: Nutzer müssen selbst Filter oder Dämpfungsglieder kaufen, um das Signal sauber zu bekommen. |
Das Preis-Leistungs-Verhältnis
Kommen wir zum entscheidenden Punkt: den Kosten. Das RigExpert Fobos SDR schlägt mit rund 525 Euro zu Buche. Das ist für einen reinen Empfänger eine immense Summe Geld.
Für diesen stolzen Preis erwartet man ein Gerät, das "Out of the Box" eine erstklassige Performance abliefert. Die Realität sieht leider anders aus: Jedes billige 30-Euro-RTL-SDR-Dongle oder ein SDR-Empfänger für ein Viertel des Preises zeigt an derselben Antenne oft ein saubereres Spektrum an, weil sie besser mit Großsignalen umgehen können oder über entsprechende Filter verfügen.
Besonders ernüchternd ist die Reaktion des Herstellers: Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass das Gerät "wie spezifiziert" funktioniere und man die Geistersignale einfach ignorieren solle. Für ein 525-Euro-Gerät ist das eine gelinde gesagt mutige Aussage.
🛑 Meine persönliche Meinung zum RigExpert Fobos SDR
Ganz ehrlich? Für mich ist dieses Gerät schlichtweg zu teuer für das, was es am Ende abliefert. Na klar, der Frequenzbereich bis zu 6 Gigahertz liest sich auf dem Papier fantastisch und ist in dieser Form selten. Aber was nützt mir das, wenn der Empfänger im Alltag permanent mit extremen Problemen und Geistersignalen zu kämpfen hat?
Auf dem Markt gibt es derzeit weitaus bessere SDR-Empfänger für deutlich weniger Geld. Die laufen dann zwar vielleicht nicht hoch bis 6 GHz, aber sie machen genau das, was sie sollen: Sie liefern ein sauberes, verlässliches Signal ohne nervige Spiegelungen. Wer nicht zwingend im Mikrowellenbereich experimentiert, spart hier lieber sein Geld und nerven.